Sag mir, wo die Frauen sind …

Seit dem letzten Barcamp in Linz läßt mich eine Frage nicht mehr los. Es wurde beobachtet, dass sehr wenige Frauen teilnahmen. Aus den Reaktionen der KollegInnen entnahm ich, dass dies ein allgemeiner Trend ist. Ist es so? Jedenfalls beschäftigt mich die Frage, warum das so ist.

Social Media und Erwachsenenbildung ist weiblich
Im Juni 2011 waren 49,7 % der österreichischen FacebooknutzerInnen weiblich. Google+ schafft es auf ein Drittel weibliche UserInnen. Auch bei Twitter tummeln sich fast 60% Frauen. Ja, die Zahlen sind alle mit Vorsicht zu geniessen. Trotzdem!
In der IT-Branche selbst schaut es anders aus. Da dominieren die Männer.
Hier noch eine andere Zahl: In der österreichischen Erwachsenenbildung sind 61% der Teilnahmen weiblich (25. KEBÖ-Statistik, 2011).

Das Barcamp eine Lernform der Zukunft
Als Erwachsenenbildnerin bin ich vom Konzept des Barcamps überzeugt. Es erfüllt – fast – alle Faktoren des Lernens moderner Erwachsenenbildung: Es ist selbstbestimmtes und kooperatives Lernen. Die soziale Komponente kommt schwer zu tragen, vor, während und nach der Veranstaltung. Die Kommunikation und Vernetzung wird gefördert. Durch das Einbringen meines Wissens wird mein eigenes Wissen erweitert, reflektiert  und weiterentwickelt – und natürlich auch das der anderen TeilnehmerInnen. Das Barcamp ist ein Format, welches in der Erwachsenenbildung auch in anderen Themenbereichen eine Chance und eine Zukunft hat.

Wo sind die Frauen?
Zurück zu meiner Frage: Wenn das Barcamp als Veranstaltung so toll ist, wenn Frauen in sozialen Netzen so hoch repräsentiert sind und auch an der Erwachsenenbildung mehr Frauen als Männer teilnehmen, dann frage ich mich, wo sind sie – die Frauen. Liegt es an der Befürchtung, dass die Themen zu techniklastig sind? Liegt es an der fehlenden Kinderbetreuung, wie beim Barcamp in Linz spekuliert wurde? Liegt es an der Tatsache, dass man sich bei einem Barcamp aktiv einbringen „muss“? Oder gibt es noch andere Gründe?
Vielleicht fühlt sich die eine oder andere Leserin da draussen – im weltweiten Netz –  gerade angesprochen. Dann, würde ich mich über einen Kommentar freuen. Es könnte aber auch sein, dass ich nun alle Leserinnen so motiviert habe, dass wir uns beim nächsten Barcamp sehen. Das wäre der Über-Erfolg. Bei dieser Gelegenheit erlaubt mir die Werbeeinschaltung für das Barcamp Salzkammergut am 1. April 2012 in Vöcklabruck.

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9 Antworten zu Sag mir, wo die Frauen sind …

  1. Pingback: Sag mir, wo die Frauen sind … (k)eine Antwort | ~ andreame

  2. Robert Lender schreibt:

    Ich kann natürlich auch nur spekulieren.
    Es gab/gibt in Deutschland einige Barcamps mit Kinderbetreuung, ob diese den Frauenanteil erhöhen konnten wäre zu hinterfragen. Wobei die erste Frage ist, ob dies wirklich einen Grund darstellt. Ein wenig wurde darüber in meinem Blogartikel http://www.robertlender.info/blog/archives/3390-Barcamps-und-Familienfreundlichkeit (bzw. in den Kommentaren) diskutiert.
    Generell – abseits der Geschlechterfrage (oder doch mitten drin?) – ist die breite Vermittlung was Barcamps sind, wie sie sein können, dass sie nicht die exklusiven IT/Social Media Freak/Geek Treffen sind, in denen man als „Nicht-Expert/in“ (jede/r ist das irgendwo) einen Platz findet, …. noch im Anfangsstadium.
    Direkte Ansprache jedes und jeder Barcamp Teilnehmer/in ist da vielleicht gefragt. Anderen davon erzählen, sie ganz persönlich einladen mitzukommen. Dann schreiben vielleicht nicht nur du und Andrea beim nächsten mal darüber sondern vielleicht schon vier Frauen. Wäre auch Thema für eine eigene Session bei Barcamps … vielleicht kommen da ganz andere Sichtweisen.

  3. cheeseman1983 schreibt:

    Ich glaube ein nicht zu unterschätzender Punkt ist, dass BarCamps mitunter klassische Vernetzungstreffen sind, etwas das wahrscheinlich im karrieristitischen Denken – das ich jetzt mal so vermehrt den Männern zuschreibe – mehr vorhanden ist/war.
    Glaube ich habe mal was zu einer Studie gelesen, dass Frauen vermehrt glauben über Leistung im Beruf vorwärts zu kommen, Männer jedoch das Vernetzen/Socializen als wichtigen Faktor eher erkennen. Wie immer natürlich nur tendenzielle Aussagen 😉

    Aber Hauptgrund für mich ist auf jeden Fall auch der niedrige Anteil an Frauen allgemein in der Technik, bei mir in der HTL waren 10% Mädchen. Es fängt am Anfang an. 🙂

  4. Pingback: Die Woche in Links (06/12) | gumpelMEDIA

  5. gabyfilzmoser schreibt:

    Ja, wir sollten alle dem Vorschlag von Robert Lender folgen und reden, reden, reden und erzählen. Aber nicht nur in unseren Online-Communities, sondern auch, oder besser gesagt vor allem, im realen Leben.
    cheeseman1983 holt mich in die Realität zurück. Ich hatte diese Geschichte schon verdrängt, dass die Männer grundsätzlich die besseren Netzwerker sind und Frauen immer noch glauben, alles was zählt, sei Leistung. Verstricke mich ja selbst immer wieder gerne in dieser Gedankenwelt.

    Andrea hat auf Facebook über ihren Blog die Diskussion angeleiert (Danke!) und es haben sich tatsächlich auch ein paar Frauen daran beteiligt. Hier die Nachlese
    Die Diskussion lässt mich schließen, dass Frauen vielleicht eher thematisch festgelegte Barcamps bevorzugen, als die ganz offenen. Das offene Barcamp hat natürlich seine Vorteile in Bezug auf Interdisziplinarität und die Buntheit der TeilnehmerInnen. Aber ein fixes Thema kann schon auch was.
    Die Retweets auf Twitter haben zwar nicht die große Diskussion entfacht, aber immerhin hab ich einige Follower mehr. Erwähnenswert ist auf jenen Fall die Anregung von @schach_spieler, ein Projekt beim KUPF Innovationstopf einzureichen. Da geht’s 2012 um den gläsernen Boden und Zugangsbedingungen für Frauen. Eine Frage die in der Erwachsenenbildung und speziell für Barcamps schon ihre Berechtigung hat.

  6. gabyfilzmoser schreibt:

    Hier noch der Link zum KUPF Innovationstopf http://www.kupf.at/projekte/innovationstopf/gl-serner-boden/gl-serner-boden . Der ist obenirgendwie untergegangen.

  7. andreame schreibt:

    Mhhhm, gleich ein Projekt draus machen aus der Frage …. Da muss ich mal drüber nachdenken ….

  8. UllaNei schreibt:

    Ich meine, Form und Inhalt einer Veranstaltung sind gleich relevant für die Entscheidung zur Teilnahme. Ein Barcamp ist eine Form, die allen Teilnehmenden die Möglichkeit gibt, sich in einer offenen Umgebung auszutauschen und voneinander zu lernen. Alle Teilnehmenden können während des Barcamps sowohl in die Rolle von Themenanbieter/in wie Zuhörer/in wechseln. Das Wesentliche ist die gemeinsame Interaktion. Vernetzungen werden gefördert, da im Idealfall auf Augenhöhe kommuniziert wird. Jede/r, die/der etwas beizutragen hat oder etwas lernen will, ist willkommen und eingeladen mitzumachen.

    Bisher habe ich – vllt. aufgrund der Genese der Form – Barcamps vorwiegend zu eher technisch orientierten Themenstellungen erlebt: neue Programme im Web 2.0 werden vorgestellt, neue Produkte, die mittels dieser Tools erstellt wurden, gezeigt. Das ist spannend, aber schon thematisch orientiert. Andere Barcamps gibt´s für Anwender der Lernplattform Moodle, auch eine klare thematische Ausrichtung. Alles Themenbereiche, in denen – jedenfalls in meiner Wahrnehmung – mehr Männer als Frauen arbeiten. Vllt. fehlen noch die „Frauenthemen“, also Themen, die viele Frauen interessieren. Dann würde sich feststellen lassen, ob die Form die Frauen abhält oder die bisherigen Inhalte – oder die Fantasie dazu.

    Gerne würde ich der Beobachtung Leistung vs. Netzwerk folgen. Es könnte sein, dass Frauen sich nicht recht trauen, ihre Projekte zu präsentieren, weil sie geneigt sind, diese als noch nicht gut genug zu bewerten, während Männer sich eher auch mit unfertigen Projekten nach vorne wagen. Nach dem Motto: wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Dadurch lernt „man“ sich kennen und schafft sich die begehrten Netzwerke. Wir wissen inzwischen, dass es sich lohnt, an dieser Stelle zu investieren. – Und wenn wir Frauen es zu Anfang nochmal mit Barcamps nur für Frauen versuchen.

  9. Pingback: Netzfeminismus – 7. Webmontag Linz | Social Media Guides

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