Digitalisierung in der Erwachsenenbildung – Was heißt das jetzt?

Plenum

Foto: David Röthler

Kürzlich durfte ich einen Online-Vortrag bei der Jahrestagung des Forums kath. EB halten. Der Wunsch der Veranstalterin war die Auswirkungen der Digitalisierung auf die österreichische Erwachsenbildung zu beleuchten. Einerseits steht die Frage im Raum, was erwartet die österreichische Bildungspolitik von uns BildungsmanagerInnen und andererseits was bedeutet die Digitalisierung für das Bildungsmanagement in Zukunft.

Bildungspolitisch wird das Thema von der Europäischen Union, auf Basis des Aktionsplans für digitale Bildung (2017) vorangetrieben, an denen sich auch die österreichischen Initiativen orientieren. Wie die Digitale Roadmap des BM für Digitalisierung oder die erst im Sommer angekündigte Digitale Masterplan des BM für Bildung.

Die Onlinenutzung von Verantwortlichen in Bildungseinrichtungen und das Onlineverhalten von Teilnehmenden ist im Moment noch abwartend und zurückhaltend, wie Studien belegen.[1]

Nimmt man die Teilnehmenden in den Fokus, kann man von der Frage ausgehen: welche Bedürfnisse werden TeilnehmerInnen in Zukunft haben um an institutioneller Bildung teilzunehmen. Dieser Fragestellung liegt einer Haltung zu Grunde, welche Digitalisierung nicht um der Technik willen einsetzt, sondern um des Menschen willen!Geht man davon aus, dass Lernende in Zukunft mehr informell, mehr selbstorganisiert und mehr vernetzt lernen wollen, dann hat dies Auswirkungen auf das Bildungsmanagement, auf die Personalentwicklung, auf die Organisation von Bildungseinrichtungen und auf die Organisationskultur.

Es geht in erster Linie nicht darum, alle möglichen technologischen Neuheiten bedingungslos einzusetzen, sondern:

  1. Es braucht Erfahrung und Experimente um die digitalen Möglichkeiten bewusst zu analysieren und dann strategisch den Einsatz zu planen!
  2. Dazu sollten jene Personen mit ihren Lernbedürfnissen wieder mehr in das Zentrum unseres Tuns stellen, für die wir eigentlich da sind. Das muss sich in einer Grundhaltung und Organisationskultur niederschlagen.
  3. Wir sollten uns überlegen welche Zielgruppen wir verstärkt online ansprechen wollen und/oder welche Inhalte wir so forcieren wollen.
  4. Wir sollten uns mehr über die Art und Weise der Kommunikation Gedanken machen, sowohl der internen als auch der externen und entsprechend anpassen.
  5. Wir sollten die Art und Weise, wie wir arbeiten überdenken. zB. Wie kann die Arbeitszeit im pädagogischen Bereich flexibler und projektorientierter gestaltet werden?
  6. Wir sollten offene Begegnungsräume schaffen, die ungezwungen genützt werden können und sich durch eine angenehme Lernatmosphäre auszeichnen.

Diese Aufzählung ist nur beispielhaft zu sehen und nicht vollständig.

Die Präsentation gibts übrigens hier auf Prezi.

[1] Sgier, Irena; Haberzeth, Erik; Schüepp, Philipp (2018): Digitalisierung in der Weiterbildung, Ergebnisse der jährlichen Umfrage bei Weiterbildungsanbietern. Zürich: SVEB. Online https://alice.ch/fileadmin/Dokumente/Themen/Forschung/SVEB_Weiterbildungsstudie2017_2018.pdf  (15.10.2018)
Schmid, Ulrich; Goertz, Lutz; Behrens, Julia (2018): Monitor Digitale Bildung. Die Weiterbildung im digitalen Zeitalter. Güthersloh: Bertelsmann Stiftung. Online: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/BSt_Monitor_Digitale_Bildung_WB_web.pdf (20.10.2018)

 

 

 

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Die Erwachsenenbildung braucht eine digitale Grundhaltung

Foto_David Röthler

Foto: David Röthler 

Am 6. November 2018 durfte ich Gast beim 12. wEBtalk von erwachsenenbildung.at sein. Die Frage war „Was braucht die Erwachsenenbildung – abgesehen von technischem und didaktischem Know-How – um in der Digitalisierung eine gute aktive Rolle zu spielen?“. Diese Frage habe ich gemeinsam mit Christian Kloyber, Helmut Peissl und Joachim Sucker diskutiert. Der wEBtalk wurde aufgezeichnet und ist nun online nachsehen.

 

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Beim #ebcamp18 kann man auch online dabei sein

ebcamp18_ecard_OnlineraumAm 5. und 6.12.18 findet, wie berichtet, das #ebcamp18 zum Thema „Digitalisierung in der Erwachsenenbildung“ statt. Da die Nachfrage sehr groß ist, ermöglichen wir nun auch eine Onlineteilnahme.

Der Bürglsaal wird während der Veranstaltung ständig online übertragen. Der Zugang ist unter folgenden Link https://zoom.us/j/139375247 möglich.

Würde mich freuen, wenn auf diese Weise noch jemand von euch dabei sein kann. Der aktuelle Sessionplan steht, sobald er festgelegt wurde (ab ca. 14:00), auf der Website des #ebcamps18 zur Verfügung. https://ebcamp.bifeb.at/rueckblick/ . So könnt ihr euch auch einzelne interessante Sessions aussuchen, um auch nur zeitweise dabei zu sein.

Der Link zur Onlineteilnahme kann gerne auch weiter geteilt werden. 😉

 

 

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Wir veranstalten ein Barcamp: #ebcamp18. Ich freu mich so!

Ich freue mich riesig, dass es wirklich gelungen ist, für die Erwachsenenbildung ein Barcamp zu organisieren. Danke an die KEBÖ, das Bifeb und allen, die im Organisationsteam mitarbeiten.

Je näher die Veranstaltung kommt (und jetzt ist ja nicht mal mehr ein Monat), umso aufregender wird die Geschichte. Die Anmeldungen trudeln schon laufend herein und es gibt nur mehr wenige freie Plätze. Auf unserer Barcamp-website gibts auch schon erste spannende Sessionvorschläge. Eigentlich kann jetzt gar nichts mehr schiefgehen.

Im letzten Bifeb-Aktuell hab ich ein wenig philosophiert über Barcamps als Antwort auf selbstgesteuerte, vernetzte Lernbedürfnisse. Schau doch einmal hinein!

 

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Wie wollen wir es nennen?

Filzmoser, Gaby (2016): Wie wollen wir es nennen: Computerkompetenz, Medienkompetenz oder digitale Kompetenz. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. November 2016, Heft 259/67. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien. Online: http://magazin.vhs.or.at/magazin/2016-2/259-november-2016/schwerpunkt-digitale-kompetenzen-medienkompetenz/wie-wollen-wir-es-nennen-computerkompetenz-medienkompetenz-oder-digitale-kompetenz/

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Der Einsatz von digitalen Medien in der Erwachsenenbildung

Warum kommen digitale Medien in der Erachenenbildung so schleppend zum Einsatz? Ich habe mit dazu ein paar Gedanken gemacht. Nachzulesen sind sie im eBook „Lehrende arbeiten mit dem Netz“.

Gaby Filzmoser (2015): Was ist nur mit der Erwachsenenbildung los? In: M. Akin-Hecke, D.Röthler, P. Eiselmair, M. Andraschko (Hg.): Lehrende arbeiten mit dem Netz. Wien: Institut zur Förderung digitaler Mediennutzung – WerdeDigital.at. S.275-277 eBook: https://www.werdedigital.at/leitfaden/bildung-werdedigital-at/

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Selbstlernprozesse zwischen Vision und Überforderung

Als eines der Geheimrezepte für erfolgreiche Lernprozesse gilt das Prinzip des selbstgesteuerten Lernens, als eigenständiges Handeln von Lernenden ohne jegliche Fremdbestimmung. Diese Feststellung beruht auf dem Selbstkonzept, nach dem Erwachsene die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen und ihr eigenes Leben selbst treffen wollen. Dieser didaktische Grundsatz wird von renommiertesten Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildnern propagiert. Auftrieb bekommt selbstgesteuertes Lernen auch durch die neuen, digitalen Technologien. Nicht nur, dass nahezu auf jede Information zeit- und ortsunabhängig zugegriffen werden kann, die dazu notwendigen Organisations-, Speicher- und Verarbeitungsmittel sind großteils gebührenfrei verfügbar. Zusätzlich bieten Bildungseinrichtungen Webinare, Moocs oder Videotutorials an, an denen ebenfalls meist kostenlos teilgenommen werden kann. Ein Paradies für SelbstlernerInnen!

Soweit die Theorie! – In der Praxis sieht das Bild oft anders aus. Lernen wird immer noch mit passivem Wissenserwerb in Verbindung gebracht. Teilnehmende der institutionellen Erwachsenenbildung erwarten selten Selbstlernprozesse in Seminaren und sie fordern sie auch kaum ein. Es werden immer noch großteils Frontalvorträge oder zumindest längere Impulsvorträge als Lernsetting bevorzugt.
Eine Erklärung für dieses Phänomen ist, dass viele Erwachsene nicht mit Selbstlernen sozialisiert sind. Lernen wird immer noch mit Schule in Verbindung gebracht und diese wurde oft als autoritär und fremdbestimmt erlebt. Die Erwartungen an die Erwachsenenbildung sind von diesen frühen Lernerfahrungen geprägt. Wie alles Neue, kann auch Selbstlernen, als neue Anforderung, Angst machen und überfordern.
Aus Sicht des Bildungsmanagement ist dieses Phänomen durchaus eine Herausforderung.
Selbstgesteuertes Lernen benötigt neue Strukturen. Für die Strukturierung der Lernprozesse ist eine Selbstlernarchitektur Voraussetzung, die Aufgaben und Materialen bereitstellt und Individualisierungsprozesse anregt. Ein Lernsetting kann zum Beispiel verschiedene Lernwege und unterschiedliche Materialen anbieten, zwischen denen die Teilnehmenden selbst wählen können und sich individuell vertiefen können. Zur Förderung der individuellen Lernreflexion können Lerntagebücher oder Portfolios eingesetzt werden.
Selbstgesteuertes Lernen beruht auf individuellen Lernzielen. Viele Teilnehmende melden sich ohne konkrete Lernziele zu Seminaren an, oder sie sind sich ihrer nicht bewusst. Zu Beginn eines Seminars auf die Formulierung von Lernzielen zu beharren oder zumindest einen Konsens zu finden, kann das Verständnis für Selbstlernaktivitäten erhöhen.
Lehrende treten in Selbstlernprozessen als Begleitende in den Hintergrund. Nehmen Lehrende Selbstlernprozesse ernst, werden sich ihre Rollen verändern und ihre Aufgaben zunehmen.
Der zeitliche Aufwand erhöht sich, speziell in der Planungsphase. Verstärkt werden Lehrende als LernberaterInnen fungieren müssen. Dabei geht es um die Klärung von Problemen, Anregung zur Reflexion, Fragen zur Überprüfung des gewählten Lernweges und die gemeinsame Suche nach Lösungsstrategien.

Erschienen im Bifeb Aktuell Nr.3/2015

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